baut Zukunft. Unter diesem Dachgedanken vereinen sich bei dem Gersthofer Traditionsbetrieb zahlreiche Entwicklungen, die teils sichtbar sind – wie der soeben entstehende Hallenneubau –, teils nur bedingt von außen wahrgenommen werden. ahochdrei hat sich mit dem Geschäftsführer Markus Lutz über einige wesentliche Zukunftsbausteine unterhalten.

 Herr Lutz – Ihr Neubau wächst und wird allem Anschein nach planmäßig fertig?

ahochdrei

 In der Tat wird alles pünktlich fertig, was zur Zeit nicht selbstverständlich ist. Das liegt zum einen an einer wirklich sehr detaillierten Planung und rechtzeitigen Materialbestellungen, zum anderen an den sehr straff organisierten Partnerfirmen hier am Bau. Den einen oder anderen
Materialengpass, der dennoch entstanden ist, hat das Bauunternehmen dankenswerter Weise durch viel Flexibilität abgefangen.

Markus Lutz

 Wieviel steckt in dieser neuen Halle?

ahochdrei

Da steckt eine Menge drin – sowohl im Baukörper als auch später in der Einrichtung. Wo immer möglich, wollten wir Nachhaltigkeitskonzepte einbringen. Das beginnt bei der Dachbegrünung und hört bei Photovoltaik nicht auf. Wir haben da ein offenbar sehr cleveres Energiekonzept
realisiert, das mit Betonkernaktivierung arbeitet und die Infrastruktur aus den bestehenden Gebäuden mitnutzt.

Das neue Gebäude bekommt Warmwasser aus der bereits bestehenden Heizanlage – das ist möglich, weil wir mit einer Vorlauftemperatur von nur 27 Grad arbeiten können. Ergänzt durch die Energie aus einer PVAnlage auf dem Dach und großen Pufferspeichern lässt sich der Bedarf sowohl zielgenau steuern als auch auf niedrigem
Niveau halten. Wenn im die Sonne scheint, profitieren auch die Bestands
gebäude vom Neubau, weil der Rücklauf aus den neuen Pufferspeichern in die bestehenden deutlich
wärmer ist als der Vorlauf. 
Wir hätten einiges auch deutlich günstiger bauen können, hätten dann aber einen anderen CO2-Footprint akzeptieren müssen. Das wollte ich nicht.

Im Inneren wird diese Halle das neue Logistikzentrum für die Firmengruppe darstellen, aus
dem unsere fünf Standorte schnell und effizient bedient werden können. Wir erstellen dort ein
Regallager mit 1.200 Palettenplätzen, das uns entlastet, aber eine Autostore-Anlage bildet den
eigentlichen Kern der Halle. Da werden am Ende in fast 36.000 Boxen unsere Kleinteile – von der Schraube über die Bohrmaschine bis zum Schutzhelm – eingelagert und über Roboter vollautomatisiert in die Kommissionierung gebracht. Die Ware kommt zum Menschen – früher ging der Mensch zur Ware. Die bis jetzt beleggeführte wird papierlos, niemand muss mehr an Regalen entlanglaufen, um Ware zu holen.

Markus Lutz

 Das wird Ihren Output stark erhöhen und Lieferzeiten verkürzen …

ahochdrei

Und wie! Zusammen mit einer automatisierten Verpackungsstraße können wir – konservativ
berechnet – unseren heutigen Tagesausstoß mehr als verdoppelt. Das ganze Konzept ermöglicht uns auch, wieder mehr Ware am Ort vorzuhalten, die man sonst vom Hersteller beschaffen müsste. Das ergibt weniger Transportfahrten und schnellere Lieferung. Natürlich steht uns nun ein Lernprozess bevor. Die letzten Wochen des Jahres werden wir die Prozesse auf dem PC simulieren, um uns an das neue Szenario heranzutasten.

Markus Lutz

 Das klingt nach weiter verstärkter Digitalisierung …

ahochdrei

Richtig. Entwicklungen wie Digitalisierung und Automatisierung betreffen vor allem den Personalbereich sehr stark. Der Bedarf an digital ausgerichteten Ausbildungsberufen wächst – manche sind erst vor kurzer Zeit entstanden.

Markus Lutz

 In den Berufsbildern hat eine stärkere Spezialisierung stattgefunden?

ahochdrei

Genau, auch weil mehr Professionalität das Ziel ist. Schwerpunkte in der haben sich
unterschiedlich entwickelt, es gibt heute weniger Generalisten, mehr Spezialisten. Der Hallenneubau ist weniger ein Thema der Digitalisierung als der Warenwirtschaft, deshalb braucht man gute Mitarbeiter, die den weiter wachsenden Ansprüchen und Vorgaben gerecht werden können.

Markus Lutz

 Ist ein strategisches Thema bei Lutz?

ahochdrei

Auf jeden Fall. Wir dürfen uns bei der Fachkräftesicherung nicht aufs Glück verlassen, wir müssen aktiv daran arbeiten. Das tun wir, indem wir Abteilungen und Zuständigkeiten klar definiert haben, und das tun wir, indem wir mittlerweile 42 in 9 Berufen ausbilden, davon vier mit digitalem Profil. Die jungen Leute sind nötig, um den Marktgegebenheiten professionell zu begegnen, aber auch um zahlreiche interne Services zu liefern, die es früher nicht gab. Und wir geben früh Verantwortung ab – so haben Lutz Azubis selbst eine App entwickelt, die die Belieferung unserer Kanban Kunden effizienter und zuverlässiger macht.

Markus Lutz

Neun Berufe bedeuten sicher viel Organisationsaufwand?

ahochdrei

Inzwischen ist ein im Personalbüro allein für Azubis zuständig. Aber ist
eine Wachstumszutat für uns. Sie ist zudem nötig, um demografischen Entwicklungen zu begegnen. Etliche scheiden absehbar altersbedingt aus. Solche Lücken muss man füllen – und das geht nicht allein durch Rationalisierung. Im Gegenteil: Nächstes Jahr werden wir nach langer Zeit mal wieder einen Kaufmann für Büromanagement für die Buchhaltung ausbilden. Wenn uns die IHK lässt (lacht).

Markus Lutz